Dienstag, 26. Mai 2009

Stefan Aust läuft vor lauter Jobsuche zum Piha Beach!

Hmm... ich glaube der Titel des heutigen Blog ist nicht ganz richtig, aber immerhin enthällt er so ziemlich alles, was in den letzten Tagen passiert ist.

Es ist schon komisch, aber manchmal muss man um die ganze Welt reisen um einen Deutschen zu sehen. Wir haben Stefan Aust gesehen und ihm sogar noch zugehört. Für alle die gerade ein bisschen am grübeln sind, wer Stefan Aust denn nun ist... er war viele Jahre der Chefredakteur des Spiegel und ist auch Autor des Buches "Der Baader Meinhof Komplex". Letzteres war dann auch der Grund für seinen Besuch hier in Auckland um es im Rahmen des Readers and Writers Festival den Kiwis näher zu bringen. Das Interview / die Diskussion vor einem doch sehr zahlreich vertretenen Publikum war sehr interessant und wir liessen es uns im Anschluss natürlich nicht nehmen unsere Ausgabe des Buches signieren zu lassen. Sabine konnte es natürlich nicht lassen und liess sich mitsamt der Visitenkarte Herrn Austs gleich mal seine Emailadresse geben. Gute Kontakte sind ja schliesslich immer wichtig.

Wo wir gerade von Kontakten sprechen. Die Ansammlung dieser läuft natürlich immer noch auf Hochtouren und somit wächst unser lokales Adressbuch auch weiter fleissig. Leider konnten uns die lieben Menschen, die wir bisher hier getroffen haben, noch nicht wirklich bei der Arbeitsbeschaffung helfen. Hier muss ich auch endlich mal etwas loswerden, denn es ist wirklich bemerkenswert, wie die Jobsuche und natürlich auch die Vergabe funktioniert. Das interessante ist dabei, dass wir nicht die einzigen sind, die sich mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzen müssen, sondern alle Neuankömmlinge (sogar "native speaker" aus UK). Jobs werden hier nämlich nicht gerne an Ausländer vergeben, egal wie gut sie dafür qualifiziert sind. Die Kiwis sind enorm nette und hilfsbereite Menschen, geht es aber darum Ausländer einzustellen, legen sie sich quer. Interessant ist besonders die Tatsache, dass die Regierung weiss, dass sie hochqualifierzierte, internationale Arbeitnehmer braucht und tut alles dafür sie ins Land zu bekommen. Sobald man allerdings hier ist, spielen die lokalen Firmen nicht mit. Das geht soweit, dass die Stadt Auckland in Kooperation mit einer Stiftung ein Programm ins Leben gerufen hat um Neuankömmlingen einen Mentor aus der Wirtschaft an die Seite zu stellen. Da ich heute das Glück hatte in das Programm aufgenommen zu werden, bin ich mal
sehr über den weiteren Verlauf gespannt. Ich werde auf alle Fälle berichten. Wir lassen uns aber von solch komischem Verhalten nicht unterkriegen und werden weiter Gas geben, schliesslich wollen wir es hier schaffen. Was kann den Kiwis denn schon Besseres als uns passieren!?

Trotz dieser kleineren Rückschläge nutzen wir unsere Zeit hier natürlich auch für schöne Dinge... ok, manchmal auch ziemlich anstrengende Dinge. Wir haben uns ja das kleine Ziel (eines Marathons) für November gesetzt und nun heißt es trainieren. Das bedeutet, inzwischen steht 4x die Woche laufen an. Um es kurz zu machen, nach den 10 km vom Sonntag und den 7,5 km gestern fange ich jetzt langsam wieder an meine Beine zu spüren. Ich befürchte aber, dass es bis zum Lauf in ein paar Monaten nicht mehr wirklich besser werden wird. Auf was haben wir uns da eingentlich eingelassen??? ...aber da müssen wir jetzt wohl durch... AU!

Zum Abschluss gibt es aber noch ein paar kleine Impressionen vom Piha Beach (ca. 35 min. von Auckland entfernt). Wir hatten vor ein paar Tagen das Glück, mal wieder richtig schönes Wetter mit 20 Grad zu haben und nutzten es natürlich gleich für einen Ausflug. Ein wirklich schöner Strand, schwarzer Sand und jede Menge Wellen. Nachdem ich mit einigen Bildern nicht wirklich zufrieden war, kam mir kurzerhand der Gedanke als Lösung einfach mal meine ganze Kameraausrüstung (wer soll an schlechten Fotos auch sonst schuld sein?) im Meer zu versenken. Nach einer kurzen Stunteinlage (natürlich mit Publikum) und nassen Hosen, entschied ich mich in Anbetracht der angespannten Finanzlage aber doch gegen diese glorreiche Idee. Immerhin konnte ich mich anschliessend rühmen, einigen Strandbesuchern zumindest ein Lachen ins Gesicht gezaubert zu haben... sie haben ja schliesslich mit mir und nicht über mich gelacht... hmm... oder?





Mittwoch, 13. Mai 2009

Sport, Kultur und was zum... macht das Wetter hier eigentlich!?

Es ist doch eine Weile her, dass wir uns das letzte Mal hier im Blog gemeldet hatten. In der Zwischenzeit ist aber auch schon wieder viel passiert. Zu allererst einmal hat sich das Wetter nun wirklich entschieden "winterlich" zu werden. Das bedeutet jetzt nicht tiefe Minus Temperaturen und Schneeglätte auf den Straßen (zumindest nicht hier in Auckland), sondern vielmehr einen wilden Mix aus Sturm, waagrechtem Regen, Sonne, Bewölkung, Sonne, noch mehr stürmischem Regen und das alles in einem entspannten 5 Minuten Takt oder einfach gleichzeitig. Es ist völlig unmöglich die richtige Bekleidung zu wählen, da auch die Temperaturen extrem schwanken. Morgens ist es noch richtig kühl und sobald man für 5 Minuten in der Sonne steht, hat es schon wieder gefühlte 20 Grad. Immerhin konnten wir es bisher erfolgreich verhindern einen anständigen Schnupfen zu bekommen.

Die letzten Wochen standen
bei uns trotz aller Wetterkapriolen klar im Zeichen der Kunst. Zuerst öffnete die Auckland Art Fair ihre Tore und wir konnten ein wirklich buntes Sammelsurium unterschiedlichster Stilrichtungen, Schaffensphasen (zumindest waren wir uns bei einigen Werken nicht sicher, ob der Künstler seinem inneren Kind die Ausführung seiner Idee überlassen hatte) und sonstiger Herangehensweisen bewundern. Der Mix der unterschiedlichen Arbeiten war beeindruckend, auch wenn uns nur sehr wenige Arbeiten wirklich überzeugten. Allerdings merken wir auch, dass wir schon eine Weile hier sind, denn wir haben gleich mehrere unserer Freunde und Bekannte auf der Messe getroffen. Auckland ist halt doch ein Dorf. Weil wir nach der Messe sowieso schon voll auf Kunst fixiert waren, nahmen wir ein paar Tage später auch gleich die Einladung zu einer Ausstellungseröffnung in einer Gallerie an. Eine befreundete Künstlerin (Lucy Bucknall www.lucy-bucknall.co.nz) stellte dort eine ihrer Arbeiten aus und wir liessen uns die Gelegenheit zu einer Besichtigung natürlich nicht entgehen. Was uns wirklich beeindruckte, war aber die Tatsache, wie schnell ihre Arbeit verkauft wurde. Nur 40 Minuten nach Eröffnung hatte ihre Arbeit (das mit Abstand teuerste Stück der Ausstellung) einen neuen Besitzer gefunden. Da können wir nur gratulieren und wo wir gerade davon sprechen... das taten wir natürlich umgehend zumal auch noch Lucy Geburtstag hatte. Im Anschluss ging es dann weiter in Richtung "DeBrett" einem kleinen Boutique-Hotel in Auckland mit einer hervoragenden Küche. Das Resultat war ein unglaublich lustiger Abend, an dem wir wieder viele neue Leute kennenlernen konnten. Was für uns hier so interessant ist, dass wir vor allem Menschen aus Berufen und Branchen kennenlernen, mit denen wir bisher noch nie Berührungspunkte hatten. Dieser Abend machte dabei auch keine Ausnahme und so erweiterten wir unsere Kontaktliste um Mode- und Schmuckdesigner, Schriftsteller und Schauspieler.

Damit unsere Freizeitgestaltung hier aber nicht zu einseitig wird, ging es gestern abend mit unseren deutsch-schottischen Nachbarn (Ulf und Debbie) zum New Zealand International Comedy-Festival. Wir haben uns die Show von Janey Godley aus Schottland angesehen. Sehr witzig... vor allem wenn man sich an den leicht zu verstehenden Glasgow-Akzent gewöhnt hat. Ein wirklich gelungener Abend!



Nach all den geistigen und hochtrabenden Aktivitäten haben wir uns aber auch noch ein richtig großes Ziel gesetzt. Ich verrate es hier auch nur um für uns den Druck zu erhöhen es durchzuziehen. Wir haben uns für den Auckland Marathon am 1. November angemeldet. Selbst während ich hier gerade die Zeilen schreibe, wird mir bei dem Gedanken an die 42km doch ein bisschen anders. ...oh Gott, oh Gott... auf was haben wir uns da bloß eingelassen... Aber wir brauchen ja auch wirklich mal eine anständige Herausforderung... so ein bisschen Auswandern reicht uns einfach irgendwann nicht mehr. Also schauen wir mal, wie weit wir kommen und Anfeuerungsrufe werden (am 1. November) gerne entgegen genommen.